Die Ontologie ist die Untersuchung des „Seins als Sein“, unabhängig von seinen besonderen Bestimmungen.
In der neuzeitlichen Philosophie unterscheidet man häufig zwischen der Untersuchung des Seins als Wesenheit — Ursachen und Gesetze des Seins (Essentialismus) — und der Untersuchung des Seins als Existenz, d. h. der konkreten, einzelnen Seienden (Existentialismen).

Da das Sein jenseits seiner besonderen Bestimmungen liegt (ein bestimmtes Sein ist ein Seiendes), ist Onto-logie (Lehre vom Sein) nicht weit entfernt von Meta-physik (jenseits der Seienden).

Allerdings haben die kantische und heideggerianische Kritik gezeigt, dass die Ontologie — wie die Metaphysik — zu einem geschlossenen System erstarren kann; sie verliert dann ihre Offenheit gegenüber dem Sein (Wesen) und reduziert sich auf die Untersuchung des Seienden (Dasein), bis hin zur Reduktion Gottes auf den Status eines ersten Seienden (Onto-Theologie).

Um solche terminologischen Probleme zu vermeiden, spricht man bevorzugt von Metaphysik, wenn die Untersuchung sich auf das bezieht, was jenseits des Seins liegt, oder auf das Sein statt auf das Seiende.


Näher bestimmt

Der Begriff Ontologie erscheint im 17. Jahrhundert, doch die Disziplin reicht bis in die griechische Antike zurück.

Für Platon bedeutet die Erkenntnis des Seins den Zugang zu den intelligiblen Formen.
Für Aristoteles wird die Ontologie zur Wissenschaft vom Sein als Sein, unterschieden von den Einzelwissenschaften, die jeweils einen bestimmten Bereich untersuchen.

In der mittelalterlichen Tradition differenziert die Ontologie grundlegend zwischen
Wesenheit (was ein Ding ist), und
Existenz (dass es ist).
Für Thomas von Aquin stellt das Sein als Akt (actus essendi) den Höhepunkt der Intelligibilität dar und orientiert die Ontologie zur Theologie hin.

Die Neuzeit teilt die Ontologie in zwei Ausrichtungen:
Essentialismus (Sein als quidditas),
Existentialismus (Sein als faktische Bedingung des Subjekts).

Mit Heidegger wird die Ontologie zur fundamentalen Ontologie:
Es geht nicht mehr darum, das Sein begrifflich zu bestimmen, sondern die Sinnfrage des Seins vom Dasein her zu stellen, dem einzigen Seienden, das die Frage nach dem Sein stellen kann.
Heidegger weist zudem auf die Gefahr der Onto-Theologie hin: die Reduktion des Absoluten zu einem höchsten Seienden unter den Seienden, was seine Transzendenz verfälscht.

Man kann daher unterscheiden:
— das Ontische, das die Seienden betrifft;
— das Ontologische, das das Sein betrifft;
— und die Metaphysik, die sich auf das bezieht, was jenseits des Seins liegt, das höchste Prinzip oder das Nicht-Sein.

Die Ontologie nimmt somit eine mittlere Position ein: Sie überschreitet die Untersuchung des Seienden, erreicht aber nicht notwendigerweise das absolute Prinzip.
Eine wahrhafte Ontologie setzt daher eine metaphysische Offenheit voraus; ohne sie erstarrt sie zu einem abstrakten begrifflichen Diskurs ohne Fundament.


Weiterführende Literatur

  • Platon, Sophistes ; Parmenides — Über Sein, Nichtsein und Formen.
  • Aristoteles, Metaphysik — Definition des Seins als Sein.
  • Thomas von Aquin, De ente et essentia — Über die Unterscheidung von Wesenheit / Existenz ; Akt des Seins.
  • Duns Scotus, Ordinatio — Über die Univozität des Seins und formale Unterscheidungen.
  • Kant, Kritik der reinen Vernunft — Kritik des Seins als Prädikat ; Grenzen der Metaphysik.
  • Heidegger, Sein und Zeit (1927) — Fundamentale Ontologie ; Dasein.
  • Jean Beaufret, Dialog mit Heidegger — Zur heideggerianischen Ontologie.
  • Jean Borella, Amour et Vérité (Paris, L’Harmattan, 2011) — Über Intelligibilität, Intelligenz und die Entfaltung des Seins.
  • Bruno Bérard, Was ist Metaphysik? (Amazon.de) ;
    — fr. Métaphysique pour tous (Paris, L’Harmattan, 2022)
    — en. Metaphysics for Everyone
    — it. Sui sentieri della metafisica
    — es. ¿Qué es la metafísica?
    Über Seinsgrade, Ontologie und deren metaphysische Übersteigung.