Modalität des Seins, das durch sich selbst (a se, davon „aséité“ in französisch) und nicht durch einen anderen existiert.
Im Anschluss an die Scholastik drückt dieser Begriff besonders die Unabhängigkeit Gottes aus, der aus sich selbst a se; oder durch sich selbst per se existiert, weshalb man im selben Sinne auch Perseität sagen kann.
Insbesondere
om scholastischen Latein aseitas, von a se („aus sich selbst“), bezeichnet Aseität die Weise des Seins, das aus sich selbst existiert, nicht durch ein anderes. Sie drückt die absolute Unabhängigkeit des ersten Seins aus, dessen Wesen und Existenz identisch sind.
In der Scholastik wird der Begriff ausschließlich auf Gott angewandt, das einzige Wesen, dessen Wesen notwendig Existenz einschließt. Zu sagen, Gott existiere a se oder per se, heißt: Er ist Ursprung seines eigenen Seins, unerschaffen, unbegründet, Prinzip alles Seienden. Aseität begründet die Unterscheidung zwischen dem notwendigen Sein und den kontingenten Wesen, die ihr Sein von einem anderen empfangen.
In der Metaphysik des reinen Aktes, nach Thomas von Aquin, ist Gott ipsum esse subsistens – das subsistierende Sein selbst. Aseität bedeutet keine selbstgenügsame Abgeschlossenheit, sondern Fülle des Seins, Quelle aller Teilhabe. Sie offenbart sowohl die ontologische Autonomie des Prinzips als auch seine schöpferische Fruchtbarkeit.
In der neuzeitlichen Philosophie greift man den Begriff bei Descartes, Spinoza und Leibniz wieder auf. Für Spinoza ist Deus sive Natura causa sui – Ursache seiner selbst, deren Existenz notwendig ist. Die traditionelle Metaphysik betont jedoch den Unterschied zwischen einer unpersönlichen Substanz und dem persönlichen, bewussten Ursprung allen Seins.
Spirituell bedeutet die Anerkennung der göttlichen Aseität, dass das geschaffene Dasein wesentlich relational ist: Es existiert nur durch Teilhabe an dem, der durch sich selbst ist. Aseität ist somit der metaphysische Name des Absoluten, ohne Ursprung und Abhängigkeit, Quelle und Ziel aller Dinge.
Weiterführende Literatur:
– Thomas von Aquin, Summa Theologica, I, q.3 und q.44.
– Anselm von Canterbury, Proslogion, II–IV.
– Johannes Duns Scotus, Ordinatio, I, d.2.
– René Descartes, Meditationen über die erste Philosophie, III.
– Baruch Spinoza, Ethik, I.
– Étienne Gilson, Das Sein und das Wesen.
– Bruno Bérard, Was ist Metaphysik? Übers. von Métaphysique pour tous (Paris, L’Harmattan, 2021); engl. Metaphysics for Everyone; ital. Sui sentieri della metafisica; span. ¿Qué es la metafísica? – über die Aseität als metaphysischen Ausdruck des Absoluten und Grundlage jeder ontologischen Teilhabe.