Das Symbol ist die Verbindung zwischen einem Sichtbaren und einem Unsichtbaren gemäß ihrer « ressemblance dissemblable » (Ähnlichkeit-Unähnlichkeit, Roques).
Die Ähnlichkeit ist das statische Band der Analogie, das beide verbindet, während die Unähnlichkeit die anagogische Kraft des Symbols bezeichnet, die vom Bild zum Urbild/Modell emporführt (Borella).

So lässt sich die bekannte Formel von Paul Ricœur ergänzen —

« le symbole donne à penser » („das Symbol gibt zu denken“)
durch die vollständigere metaphysische Formulierung von Borella:
« le symbole donne la pensée à elle-même » („das Symbol gibt der Gedankenform sich selbst“)
(Symbolisme et Réalité, S. 51).

Genauer gesagt

Das Symbol (griech. sym-ballein, „zusammen-bringen“) vereint zwei Wirklichkeiten — eine sinnliche, die andere intelligible — durch eine ontologische Beziehung, die auf ihrer Teilhabe an einem höheren Prinzip beruht.
Es handelt sich nicht um eine willkürliche Repräsentation, sondern um bezeichnete Gegenwart: unter dem sichtbaren Zeichen erscheint die angerufene unsichtbare Wirklichkeit.

Da es aus der Analogie des Seins hervorgeht, ist das Symbol kein bloßer Code: es übermittelt nicht nur eine Botschaft, sondern trägt den Geist zu dem hin, was es bezeichnet.
Seine Funktion ist anagogisch: es erhebt die Seele von der sinnlichen Form zu ihrem Archetypus.

Die Ähnlichkeit garantiert das Erkennen des Urbildes im Bild;
die Unähnlichkeit erinnert an die Transzendenz des Urbilds: nichts Geschaffenes erschöpft es.
Die Spannung zwischen diesen Polen begründet die Wirksamkeit des Symbols.

Das Symbol ist daher weder bloßes Bild noch reiner Begriff: es ist eine vermittelnde Wirklichkeit, die Sichtbares und Unsichtbares, Manifestes und Prinzipielles verbindet.
Es gibt dem Denken nicht nur Stoff, sondern den Akt selbst, durch den es sich zur Wahrheit erhebt.

Zum Weiterlesen

  • Platon, Phaidros; Politeia — aufsteigende Funktion der Bilder und der Dialektik.
  • Ps-Dionysius, Himmlische Hierarchie — liturgischer und hierarchischer Symbolismus.
  • Thomas von Aquin, Summa Theologiae — Analogie und sakramentale Bedeutung.
  • Nikolaus von Kues, De visione Dei — Symbole und coincidentia oppositorum.
  • Meister Eckhart, Predigten — Symbole und Gottesgeburt in der Seele.
  • Goethe, Maximen und Reflexionen — Symbol als Epiphanie der Idee.
  • Paul Ricœur, La symbolique du mal — « le symbole donne à penser » („das Symbol gibt zu denken“).
  • Jean Borella, Symbolisme et réalité / La crise du symbolisme religieux / Histoire et théorie du symbole — ontologische Tragweite des Symbols; Anagogik.
  • Bruno Bérard, Was ist Metaphysik? — Symbolismus und Teilhabe.
  • Louis Bouyer, Das christliche Geheimnis — liturgischer Symbolismus.
  • Mircea Eliade, Bilder und Symbole — Universalität des Symbolismus.