Es gibt eine « Leere-leer »: die Leere der Wesen und Phänomene, die svabhāva-śūnyatā sind, d. h. leer von eigener Natur — sie existieren nicht aus sich selbst, sind letztlich illusorisch und vergänglich.
Diese Leere ist daher kein Nihilismus: sie bedeutet lediglich, dass
« alle Phänomene nur Begriffsbildungen sind und keine eigene Natur besitzen ».
Zu sagen, dass die letzte Wirklichkeit Leere ist, hat einen anderen Sinn.
Sie ist leer von jeder Materialität und von allem, was gedacht werden kann;
sie ist eine « Leere-Fülle », erfüllt vom höchsten Sein und jenseits aller Bestimmung.
Genauer gesagt
Der Sanskrit-Begriff śūnyatā (शून्यता), gewöhnlich als „Leere“ übersetzt, bezeichnet nicht eine absolute Verneinung, sondern das Fehlen eigener Natur:
Kein Ding, kein Phänomen besitzt eigenständige Existenz oder autonome Essenz (svabhāva).
Alles ist relational, bedingt, wechselseitig abhängig:
pratītya-samutpāda — „abhängiges Entstehen“.
Diese Leere ist zunächst eine Methode innerer Reinigung:
Sie löst die Anhaftung an Objekte auf, die fälschlich für in sich real gehalten werden.
Sie ist daher befreiend und führt zum Erwachen (bodhi).
Die letzte Leere ist kein Nichts, sondern das Jenseits aller Bestimmung —
das Unbedingte (asaṃskṛta), in einigen Schulen mit der Buddha-Natur (tathāgatagarbha) identifiziert.
Daher die Bezeichnung « Leere-Fülle »:
leer von „Ding-Sein“, aber erfüllt von der höchsten Wirklichkeit, Quelle aller Manifestation.
Es sind zwei Ebenen zu unterscheiden:
- Leere der Phänomene — Fehlen von svabhāva.
- Leere des Absoluten — Unbestimmtheit, aber prinzipielle Fülle.
Zum Weiterlesen
- Nāgārjuna, Mūlamadhyamakakārikā — grundlegende Darstellung der Leere.
- Prajñāpāramitā-Sutras — transzendente Weisheit.
- Laṅkāvatāra-Sūtra — Leere und Buddha-Natur.
- Asaṅga, Abhidharma-samuccaya — Phänomene und Nicht-Substantialität.
- Vasubandhu, Trisvabhāva-nirdeśa — drei Naturen und Leere.
- Fazang (Huayan), Der Goldene Löwe — Interdependenz und Fülle.
- D. T. Suzuki, Essays in Zen Buddhism — Leere und Erfahrung.