Aus dem Griechischen „Modell“, meist die platonischen Ideen (Archetypen). Ein Archetyp, etymologisch: primitiver Typ, stellt ein Original dar, das als Modell dient.

Ein Archetyp kann ein universelles Symbol sein: der Baum des Lebens, die Schlange, ein Kreuz, das Meer…, insofern es in verschiedenen Kulturen ähnliche Bedeutungen trägt. Typische Beispiele für Archetypen sind: der Held, der Weise, der Schatten, die Mutter…

Insbesondere

Vom griechischen arkhḗ („Anfang“, „Prinzip“) und týpos („Abdruck“, „Muster“) bedeutet Archetyp wörtlich ein ursprüngliches Modell oder Urbild. Bei Platon sind die Ideen oder intelligiblen Formen die wahren Archetypen: ewige Wirklichkeiten, deren Abbilder die sinnlich erfahrbaren Dinge sind. Jedes Einzelne besitzt Realität durch seine Teilhabe an einem Archetyp, der sein Wesen ausdrückt.

Ein Archetyp kann auch als universales Symbol verstanden werden – der Lebensbaum, die Schlange, das Meer, das Feuer, das Kreuz –, da diese in unterschiedlichen Kulturen mit ähnlicher Bedeutung erscheinen. Archetypen offenbaren die gemeinsame symbolische Tiefenstruktur der Menschheit.

In der jungianischen Psychologie sind Archetypen Grundmuster des kollektiven Unbewussten. Sie gehen der individuellen Erfahrung voraus und äußern sich in Träumen, Mythen, religiösen Bildern und Kunst. Zu den bekanntesten gehören der Held, die Mutter, der Weise Alte, der Schatten, das Göttliche Kind, Anima und Animus. Sie leiten den Prozess der Individuation zur Vereinigung des Bewusstseins mit seinem Zentrum, dem Selbst.

Auf metaphysischer Ebene ist der Archetyp nicht nur psychologisch, sondern ontologisch: Er verweist auf die formalen Ursachen, die im göttlichen Intellekt präexistieren. Plotin, Augustinus und Thomas von Aquin verstehen diese Archetypen als exemplarische Ideen, durch die die Welt am intelligiblen Sein teilhat. Der Archetyp ist das Siegel des Prinzips in der Vielheit der Formen.

Von Archetypen zu sprechen heißt daher, sowohl das symbolische Gedächtnis der Menschheit als auch die intelligible Struktur der Wirklichkeit zu berühren.

Weiterführende Literatur:
Platon, Politeia VI–VII; Phaidon.
Plotin, Enneaden V, 9.
Augustinus, De ideis.
Thomas von Aquin, Summa Theologica I, q. 15.
Mircea Eliade, Der Mythos der ewigen Wiederkehr.
Bruno Bérard, Was ist Metaphysik? Übers. von Métaphysique pour tous (Paris, L’Harmattan, 2021); engl. Metaphysics for Everyone; ital. Sui sentieri della metafisica; span. ¿Qué es la metafísica? – über die metaphysische Bedeutung der Archetypen als universale Prinzipien, die Sein, Bewusstsein und Symbol verbinden.