Das, was das Sein der Sache begründet, das, wodurch eine Sache das ist, was sie ist (id quo res est, id quod est).
Im Christentum ist das Wort Gottes („durch das alles gemacht ist“) der Ort der Wesenheiten.
Genauer gesagt
Das Wesen bezeichnet das, was die eigentliche Natur eines Seienden ausmacht, das, was es verständlich macht, noch bevor es tatsächlich existiert. Es drückt die Quiddität aus – das „Was es ist“ – im Unterschied zur Existenz, dem „Dass es ist“. Bei Aristoteles ist das Wesen die intelligible Form der Substanz, das, was inmitten der Vielfalt der Akzidenzien gleichbleibt. Bei Thomas von Aquin ist es in den geschaffenen Wesen von der Existenz unterschieden, fällt aber in Gott mit ihr zusammen, dessen Wesen das Sein selbst ist (ipsum esse subsistens).
In der christlich-metaphysischen Sicht sind die Wesenheiten im göttlichen Wort präexistent, Quelle und Urbild aller Schöpfung: „durch ihn ist alles geworden“ (Joh 1,3). Jedes Wesen nimmt somit am ersten Sein teil und offenbart, seinem Grad gemäß, einen Aspekt des Prinzips. Das „Wesentliche“ ist daher nicht nur das Grundlegende, sondern das, was auf den Ursprung verweist, auf die reine Verständlichkeit des Seins.
Metaphysische Erkenntnis bleibt nicht bei den Wesen stehen: Sie durchschreitet sie, um ihre Quelle zu erreichen – das Sein selbst. Wo der Intellekt Formen erfasst, schaut die intellektuelle Anschauung – oder „Prinzipien-Intelligenz“ – ihren Grund.
Zum Weiterlesen
René Guénon, Die vielfältigen Zustände des Seins, 1932.
Jean Borella, Die Krise des religiösen Symbolismus, L’Harmattan, 1984.
Bruno Bérard, Was ist Metaphysik? (Amazon.de); Übers. von Métaphysique pour tous (Paris, L’Harmattan, 2022); engl. Übers. Metaphysics for Everyone; ital. Sui sentieri della metafisica; span. ¿Qué es la metafísica? – über die Unterscheidung zwischen Wesen und Existenz in der Hierarchie des Seins und die Teilhabe am göttlichen Sein.