Bezeichnet das, was sich auf die allgemeine Form von Wissenschaftlichkeit bezieht, während “wissenschaftlich” das meint, was sich auf die Wissenschaft in ihrer konkreten, faktischen Ausübung bezieht.

Insbesondere

Das Epistemische betrifft die Möglichkeitsbedingungen wissenschaftlichen Wissens: Geltungskriterien, zulässige Methoden, Beweisformen und rationale Normen, die einem Diskurs wissenschaftlichen Status verleihen. “Wissenschaftlich” qualifiziert hingegen den tatsächlichen Zustand der Wissenschaften: Institutionen, Protokolle, Ergebnisse und historische Kontroversen.

Das Epistemische konzentriert sich auf formale Strukturen (Testbarkeit, Falsifizierbarkeit, Reproduzierbarkeit, Modellbildung) und auf begriffliche Bedingungen strenger Erkenntnis. Eine Aussage kann epistemisch sein, ohne bereits wissenschaftlich zu sein; umgekehrt können sozial “wissenschaftliche” Praktiken epistemische Grundlage vermissen lassen (Pseudowissenschaften, Technokratie, Szientismus).

Philosophisch umfasst das Epistemische die Metawissenschaft: Reflexion über Methoden, Paradigmen (Kuhn), epistemologische Brüche (Bachelard) und begriffliche Instrumente. Diese Unterscheidung vermeidet zwei Extreme: die Reduktion der Wissenschaft auf kontingente Anwendungen oder die Verabsolutierung historischer Methoden.

Außerdem wandelt sich “Wissenschaftlichkeit” im Zuge konzeptueller, technischer und kultureller Transformationen — ein Aspekt, den “wissenschaftlich” nicht notwendig ausdrückt.

Weiterführend:

– Gaston Bachelard, Die Bildung des wissenschaftlichen Geistes
– Karl Popper, Logik der Forschung
– Thomas S. Kuhn, Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen
– Imre Lakatos, Methodologie der Forschungsprogramme
– Paul Feyerabend, Wider den Methodenzwang
– Bruno Bérard, Was ist Metaphysik? (Amazon.de), Übers. von Métaphysique pour tous (Paris, L’Harmattan, 2022); En. Metaphysics for Everyone; It. Sui sentieri della metafisica; Sp. ¿Qué es la metafísica?