Die Transsubstantiation (vom lateinischen transsubstantiatio, „Wesensverwandlung“ oder „Verwandlung der Substanz“) bezeichnet in der christlichen Theologie, insbesondere in der katholischen Lehre, die Verwandlung der Substanz von Brot und Wein in die Substanz des Leibes und Blutes Christi während der Eucharistie, während die sinnlich wahrnehmbaren Eigenschaften von Brot und Wein unverändert bleiben. Sie bezeichnet somit eine wirkliche und tiefgreifende Wandlung, die das Sein dieser Wirklichkeiten selbst betrifft, ohne ihre wahrnehmbaren Eigenschaften zu verändern.

Insbesondere

Die Lehre von der Transsubstantiation gründet auf den Worten Christi beim Letzten Abendmahl: „Das ist mein Leib“ und „Das ist mein Blut“ (Mt 26,26–28; Mk 14,22–24; Lk 22,19–20). Bereits in den ersten Jahrhunderten des Christentums wurde die Eucharistie als wirkliche Gegenwart Christi verstanden, auch wenn sich die theologischen Formulierungen zur genaueren Bestimmung dieser Gegenwart erst allmählich entwickelten.

Der Begriff „Transsubstantiation“ entstand im Mittelalter und erhielt seine klassische Formulierung im Rahmen der aristotelischen Metaphysik, wie sie von der Scholastik aufgenommen wurde. Die Lehre beruht auf der Unterscheidung zwischen Substanz und Akzidenzien. Die Substanz bezeichnet das, was eine Sache ihrem Wesen nach ist; die Akzidenzien entsprechen ihren sinnlich wahrnehmbaren oder zufälligen Eigenschaften. In der Eucharistie wird die Substanz von Brot und Wein verwandelt, während ihre Akzidenzien – Geschmack, Farbe, Gewicht, Gestalt und andere wahrnehmbare Eigenschaften – unverändert bleiben.

Der heilige Thomas von Aquin hat dieser Lehre ihre einflussreichste theologische Ausarbeitung gegeben. Nach seiner Auffassung handelt es sich bei der eucharistischen Wandlung weder um eine gewöhnliche physische Veränderung noch um einen bloß symbolischen Wechsel. Vielmehr ist sie eine einzigartige Verwandlung, die durch göttliche Macht bewirkt wird: Eine Substanz hört auf gegenwärtig zu sein, während eine andere unter denselben sinnlichen Gestalten wirklich gegenwärtig wird.

Die Transsubstantiation ermöglicht es somit, zugleich die Wirklichkeit der Gegenwart Christi und den Fortbestand der sakramentalen Zeichen zu bejahen. Christus ist nicht in der Weise eines materiellen Gegenstandes gegenwärtig, der einen Raum einnimmt, sondern gemäß einer der Eucharistie eigenen sakramentalen Seinsweise. Diese Gegenwart wird „real“ genannt, weil sie das Sein Christi selbst betrifft und nicht bloß seine Bedeutung oder Erinnerung.

Die Lehre wurde feierlich durch das Viertes Laterankonzil definiert und durch das Konzil von Trient angesichts der Kontroversen der Reformation näher erläutert. Während einige protestantische Traditionen symbolische Deutungen oder andere Auffassungen der Gegenwart Christi bevorzugten, hielt die katholische Kirche an der Transsubstantiation als dem angemessensten Ausdruck des eucharistischen Geheimnisses fest.

Aus metaphysischer Sicht stellt die Transsubstantiation einen außergewöhnlichen Fall dar, in dem die Unterscheidung zwischen Substanz und Akzidenzien eine besonders bemerkenswerte Anwendung findet. Sie zeigt, dass das Sein einer Sache nicht auf ihre sinnlichen Erscheinungen reduziert werden kann. Das Sichtbare bleibt unverändert, während die tiefere Wirklichkeit verwandelt wird.

Der Begriff besitzt darüber hinaus eine symbolische und geistliche Bedeutung. Die Eucharistie wird als wirksames Zeichen einer tieferen Verwandlung verstanden: der Verwandlung des Menschen, der dazu berufen ist, Christus eingegliedert zu werden und an seinem Leben teilzuhaben. Die Wandlung von Brot und Wein wird so zum sakramentalen Modell der geistigen Verwandlung der Schöpfung und der Menschheit.

Die Transsubstantiation erscheint daher als eine der charakteristischsten Lehren des sakramentalen Christentums. Sie bringt das Geheimnis einer göttlichen Gegenwart zum Ausdruck, die sich unter gewöhnlichen Wirklichkeiten schenkt, und offenbart damit die Möglichkeit, dass das Sichtbare Träger des Unsichtbaren wird und das Geschaffene am göttlichen Leben teilhat.

Weiterführende Literatur

  • Evangelium nach Matthäus, 26,26–28;
  • Evangelium nach Markus, 14,22–24;
  • Evangelium nach Lukas, 22,19–20;
  • Erster Korintherbrief, 11,23–29;
  • Thomas von Aquin, Summa Theologiae, IIIa, qq. 75–77;
  • Thomas von Aquin, Offizium vom Allerheiligsten Sakrament;
  • Viertes Laterankonzil;
  • Konzil von Trient;
  • Henri de Lubac, Corpus Mysticum;
  • Jean Borella, Die Krise des religiösen Symbolismus (La crise du symbolisme religieux);
  • Jean Borella, Symbolismus und Wirklichkeit (Symbolisme et Réalité);
  • Bruno Bérard, Was ist Theologie;
  • Bruno Bérard, Was ist Metaphysik? Zwischen Ambition und Wirklichkeit (dt. Übers. von Métaphysique pour tous, Paris, L’Harmattan, 2021; engl. Übers. Metaphysics for Everyone; ital. Übers. Sui sentieri della metafisica; span. Übers. ¿Qué es la metafísica?).

Anmerkung: Die Transsubstantiation darf weder als beobachtbare materielle Verwandlung noch als bloße Metapher verstanden werden. Sie bezeichnet eine Wandlung ontologischer Ordnung, die die Substanz der eucharistischen Gaben selbst betrifft. Diese Lehre stellt eine der tiefsten Anwendungen der metaphysischen Unterscheidung zwischen Substanz und Akzidenzien dar und bleibt zugleich ein Geheimnis, das die Möglichkeiten der natürlichen Vernunft übersteigt.